Der bekannte russische Komponist Alexander Borodin wurde in St. Petersburg geboren. Hauptberuflich war er als Mediziner und Professor für organische Chemie tätig. Mehrere Forschungsreisen führten ihn nach Westeuropa, wo er sehr angesehen war und musikalisch inspiriert wurde. In seiner Musik finden sich Einflüsse der großen Romantiker wie Robert Schumann und Felix Mendelssohn-Bartholdy, aber auch eine ausgeprägte eigenständige Charakteristik. Borodin gehörte, wie auch Modest Mussorkski und Nikolai Rimski-Korsakov, zur „Gruppe der Fünf“ („Das mächtige Häuflein“). Diese Gruppe schloss sich 1862 in St. Petersburg zusammen um eine eigenständige, russische Stilrichtung zu etablieren.
Das Klaviertrio D-Dur ist ein Frühwerk des Komponisten. Es entstand 1860 bis 1862 während eines Forschungsaufenthaltes in Italien und wurde zu Lebzeiten Borodins nicht aufgeführt. Das Stück wurde erst 1950 in Moskau veröffentlicht. Es besteht aus drei Sätzen. Ein finaler vierter Satz existiert nicht: Er wurde entweder nie geschrieben, oder er ging verloren. Es ist auch möglich, dass der Satz bewusst weggelassen wurde.
Das Trio besticht durch wunderbare, große Melodiebögen, die häufig im Unisono (Gleichklang) der Instrumente vorgetragen werden.
Gleich am Beginn des Eröffnungssatzes „Allegro con brio“ (ca. 8 Min) kommen diese Elemente eindrucksvoll zum Tragen. Das Cello beginnt mit einer ruhigen Melodie, die von der Violine übernommen und von allen Instrumenten weitergeführt wird. Der ganze Satz ist von einem tiefgründigen, weiten, anmutigen, aber nie aufdringlichen Charakter geprägt.
Der zweite Satz „Romanze Andante“ (ca. 8 Min) beginnt mit einem längeren Klaviersolo, das an Schumann erinnert. In weiterer Folge finden sich ausgeprägte Gesangslinien für die Violine und das Cello, die immer wieder unisono gespielt werden. Besonders hervorzuheben ist die Ausgewogenheit der Instrumente.
Das tänzerisch elegante „Tempo di minuetto“ (ca. 7 Min) bildet einen Gegensatz zu den vorangegangenen Sätzen. Eine Besonderheit ist das Trio „Piu lento“, welches mit seinen Legatobögen an die ersten beiden Sätze erinnert.
(ca. 23 Min)