Der tschechische Komponist Bedrřch Smetana ist vor allem für die „Moldau“, einer symphonischen Dichtung aus dem Zyklus „Ma Vlast“ („Mein Vaterland“) bekannt. Er komponierte auch zahlreiche kammermusikalische Stücke.
Dabei nimmt das Klaviertrio G–Moll, das zwischen 1855 und 1857 entstanden ist, eine Sonderstellung ein. Es ist das erste große kammermusikalische Werk Smetanas und zählt zu den bedeutendsten Stücken dieser Gattung. Dabei handelt es sich um eine autobiographische, hochemotionale, programmatische Komposition, die im Gedenken an seine mit 4 Jahren verstorbene Tochter Fredericke entstanden ist. Als trauernder Vater musste Bedrřch Smetana im Hebst 1855 seine älteste Tochter zu Grabe tragen. Sie war das zweite von drei Kindern, die er innerhalb von zwei Jahren verlor.
In der Musik werden der Schmerz und die Trauer dieser Zeit, aber auch schöne Erinnerungen an unbeschwerte Tage und die Hoffnung auf Erlösung eindringlich spürbar. Das, in der musikalischen Tradition von Bach bis Mahler immer wieder verwendete, bekannte Trauermotiv der absteigenden Chromatik, durchzieht das ganze Werk und findet sich jeweils am Beginn der einzelnen Sätze. Alle Sätze sind in der „Trauertonart“ G – Moll komponiert, wobei es immer wieder kürzere Wendungen nach Dur gibt, und der zweite und dritte Satz auch in Dur enden.
1. Satz Moderato assai (ca. 12 Minuten)
Der erste Satz startet mit einem ersten Schmerzensschrei, dem musikalisch manifestierten Ausdruck seelischen Klagens. Die Dramatik wird zuerst von der Solovioline vorgetragen, ehe sich das Cello in aufsteigender Chromatik und das Klavier dazugesellen. Nach dem schroffen Hauptthema stimmt das Cello ein wehmütiges Seitenthema an, welches von der Violine und dem Klavier weitergeführt wird. Die verklärte Erinnerung an das geliebte Kind ist in der Musik spürbar und erhält zunehmend Raum. In der Durchführung verschmelzen und entfalten sich die beiden Ebenen, ehe das Klavier mit einer Kadenz zur Reprise überleitet.
2. Satz Allegro, ma non agitato (ca. 10 Minuten)
Nach dem musikalisch manifestierten Schmerz des ersten Satzes folgt ein scherzoartiger Satz (“Scherzo doloroso”) mit zwei kontrastierenden Trio-Abschnitten. Er enthält ein volksliedhaftes Thema, das in ein Klagelied umschlägt. Unterbrochen wird dieses von einem langsamen, lieblich-spielerischen Andante und einem monumentalen Maestoso, ehe sich die Musik nach Dur wendet.
3. Satz Finale Presto (ca. 11 Minuten)
Der in Rondoform gehaltene, abschließende Satz zeichnet sich durch besondere Kontraste aus. Dem schnellen, wild klingenden, unruhigen Hauptthema, das an einen Totentanz erinnert, steht eine schlichte kindliche Melodie gegenüber. Diese wird zuerst vom Cello vorgetragen, anschließend von der Violine übernommen und vom Klavier weitergeführt. Eine Besonderheit ist ein gegen Ende eingeschobener Trauermarsch, der noch einmal den Hintergrund zur Musik erfahrbar werden lässt. Abschließend löst sich die Musik mit frischer Energie in der abschließenden Coda in Dur auf.
(33 Min)